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Minimalismus - nichts mehr zu verlieren
Verzicht ist so hip wie nie zuvor. Immer mehr Menschen verweigern den Konsum – ein Lebensstil, der durch eine Entrümpelung der eigenen vier Wände und eine radikale Form des Konsumverzichts geprägt ist.
06.01.2016, von KATRIN HUMMEL via http://www.faz.net/­hrx­8by8h
Minimalismus.pdf
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I would prefer not to.

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Arbeit, Konsum, noch mehr Arbeit: So sieht das Leben vieler Menschen aus. Glücklich wird so kaum jemand - dafür machen sich andere die Taschen voll. Journalistin Alix Faßmann gibt in ihrer „Anleitung zur Karriereverweigerung“ Tipps für den Ausstieg. 

 

kurz zusammengefasst:

Punkt 1: Karriere macht dumm

Karriereleiter ungehindert hinaufgeklettert ist, hat entweder ein gewisses Maß an Dummheit mitgebracht oder - viel wahrscheinlicher - ein gewisses Maß Intelligenz bewusst beim Pförtner eingelagert.“

Punkt 2: Arbeit macht arm

„Dass Freelancer und Selbstständige ihre komplette soziale Absicherung finanzieren müssen, ist nicht neu. Dass sie dabei (besonders in der Kreativwirtschaft) oft so wenig verdienen, dass sich viele keine Krankenversicherung mehr leisten können - das ist neu.“ 2013 hatten 7,8 Millionen Menschen in Deutschland befristete Arbeitsverträge, einen Mini- oder Teilzeitjob mit weniger als 20 Wochenstunden oder eine Anstellung als Leiharbeiter, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Dazu schreibt Faßmann: „Viele Leiharbeiter zählen zu den sogenannten 'working poor' - denen, die arbeiten und trotzdem arm sind. Im Juni 2012 musste etwa jeder zehnte Leiharbeiter sein Gehalt mit Hartz IV aufstocken.“

Punkt 3: Ehrgeiz macht krank

„In Japan hat der plötzliche Tod am Arbeitsplatz sogar einen Namen: Karoshi. Wörtlich übersetzt heißt das, was es ist: Tod durch Überarbeitung.“ „Durch harte Arbeit solle Wohlstand erreichbar sein, sagte man uns als Kindern. Doch etliche, die es versuchen, enden in Kündigung, Bankrott oder im Burn-out, und jene, die im Beruf aufgehen, haben keine Zeit, den bescheidenen Wohlstand auszubauen, und man nutzt das bisschen 'Freizeit', um Wellness-Oasen zu besuchen. Man repariert sich.“

Punkt 4: Moral hält uns klein

„Die meiste Zeit funktioniert eine 'gute Arbeitsmoral' mit Unterdrückung und Schuld. Es spielt keine Rolle, was, warum oder wie jemand etwas tut. So lange man etwas und am besten viel davon tut. Die Arbeitsmoral, die uns gepredigt wird, ist von Natur aus tumb und erstickt jede Fantasie im Keim. Denn wer mit Fantasie denkt, dem fällt etwas Besseres ein, als in erster Linie produktiv zu sein.“

Punkt 5: Der freie Markt macht unfrei

„Der freie Markt macht unfrei, weil er uns in ein Konzept presst. Es funktioniert nach dem Motto: Arbeite, verdiene Geld, dann steigst du auf. Aber dieses Versprechen geht an der heutigen Lebenswirklichkeit vorbei. Im Kampf um den Aufstieg gehören immer mehr Menschen zu den Verlierern, und die wenigen Gewinner sehen meist so verkniffen und traurig aus. Weil sie so viel arbeiten oder weil niemand sie mag, diese 'Abstauber'.“

Punkt 6: Die Renten (der jetzigen Rentner) sind viel zu sicher

„Auch wenn die Zahl der Rentner steigt, die nur mit der staatlichen Grundsicherung im Alter auskommen müssen, liegt ihr Anteil unter allen Rentnern bei gerade einmal 2,7 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind aktuell 18,9 Prozent (etwa 2,4 Millionen) Kinder und Jugendliche von Armut bedroht.“ „Wir, die jüngere Generation, werden mehr und länger arbeiten müssen. Für weniger Geld, keine Sicherheiten, für eine Rente, die - wenn überhaupt - nicht mehr als eine Grundsicherung sein wird. Was mich betrifft: So lange den Jungen seitens der Politik und der Wirtschaft kein Angebot gemacht wird, mache ich für die Renten der Baby- Boomer keinen Finger mehr krumm.“

Punkt 7: Wachstum macht unglücklich

„Unsere Wirtschaft verfügt nicht über unbegrenzte Ressourcen. Werte sind nicht unendlich durch Spekulation produzierbar. Und das Zurücklassen der Schwachen darf für keinen Menschen eine Option sein, der sich weiterhin so nennen will. ... Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren - in einer Welt, die einen irrwitzigen Überfluss produziert. “ „Wer sich unter Menschen bewegt, die 'es geschafft haben', der bemerkt, dass diese oft besonders unsicher und abhängig sind ... Auf Partys, Vernissagen und Umtrünken stehen sie zwischen ihrem schicken Krempel herum und wissen nichts mit sich anzufangen.“ 

Quelle:  http://www.mz-web.de/karriere/karriereverweigerung-alix-fassmann-arbeit-ist-nicht-unser-leben,20651404,28358836,view,printVersion.html 2/4

3.3.2015 Mitteldeutsche Zeitung - So wird man Karriere-Verweigerer